Mir ist kalt.
Es ist trübe, meine Füße frieren und der Wind peitscht an
mein Fenster.
Mir ist kalt.
Aber die Kälte kommt nicht von draußen. Sie ist in mir.
Und meine Heizung ist kaputt.
Ich gehe zum Kühlschrank, öffne ihn und blicke unbeteiligt
hinein.
Ihm ist auch kalt.
Und das warme Licht täuscht eine Fröhlichkeit vor,
die beim
Verschließen der Türe wieder verschwindet.
Ich verharre einen Moment vor dem Kühlschrank,
zünde mir eine Zigarette an und gehe zum Fenster.
Draußen steht eine alte Frau. Sie kommt mit vollen Taschen
zu ihrer Haustüre,
ich beobachte sie.
Sie verharrt einen Moment unschlüssig vor der Türe mit dem
Schlüssel in der Hand.
So stehen wir beide für ein paar Minuten da – unschlüssig,
beobachtend, verharrend.
Ich mit der Zigarette in meiner Hand, frierend, sie mit dem
Schlüssel in der Hand, überlegend.
Einen Augenblick lang glaube ich, sie schaut zu mir hoch, fragend,
nachdenklich.
Dann biegt ein Auto um die Ecke und die Starre löst sich
auf.
Sie geht ins Haus.
Ich wende mich ab, bleibe im Raum stehen und denke nach.
Mir ist immer noch kalt.
Manchmal habe ich Ambitionen, mich in ein Kleidungsstück zu
verwandeln
um im warmen Trockner wohnen zu dürfen. Dort ist alles himmlisch –
es ist warm, weich und gut riechend.
Stattdessen zünde ich eine weitere Zigarette an und überlege
mir,
ob ich nicht eine der zahlreichen, eingestaubten Flaschen Wein öffnen und
einverleiben soll.
Ich warte.
Mir ist kalt und ich warte.
Worauf eigentlich?
Virtuelle Welten umfangen mich, wickeln mich ein
und lassen
mich für eine Zeit lang alles um mich herum vergessen.
Mit einem Mal breitet sich Unmut in mir aus.
Unmut über Rechtfertigungen, ungerechtfertigte Rechtfertigungen.
Wem habe ich schon was zu erklären. Ich lebe in meinem
eigenen Universum.
Was ich tue, hat keinen zu interessieren.
Denke ich und betrachte die Zigarette beim Verglimmen…
Schön wär’s… und schön wär’s auch, wenn mir nicht mehr kalt
wäre.
Ich stehe auf, gehe zum Fenster, blicke nach draußen und
beobachte den Wind.
Er ist schuld. Er pfeift durch meine Wohnung und erzeugt
Kälte.
Genau! Er ist schuld!
… dass mir kalt ist.