Persönliche Box

Kontrollzentrum

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Mittwoch, 10. August 2011, 17:46

Die Sphärenwandlerin

Diese Geschichte ist noch absolut in den Anfängen und bedarf noch weiterer BEarbeitungen.

Im Moment zählt sie 60 Seiten, die ich natürlich nicht hier alle einstelle, also keine Angst.

Es ist etwas umständlich und ein reines Fantasiekonstrukt, daher bitte nicht zu Ernst nehmen.

Es geht um einen Engel, der verstoßen wird. Ein Mädchen, welches von ungemeiner Bedeutung ist und eine Gruppe von Wesen, die sich ihr Recht auf Freiheit erneut erkämpfen und dabei nicht zuletzt das Ende der Welt zu vermeiden zu versuchen:

Prolog



Er ging die Stufen des großen Palasts hinunter. Stirn runzelnd blickte er vor sich ins Leere und nahm eine Stufe bedächtiger als die andere. Er war nun schon so lange hier, kämpfte im Großen Krieg, und verpflichtete sich dem Dienst der Götter und Gotthoheiten. Seit abertausenden von Jahren hatte er den Palast und die heilige Stadt niemals verlassen. Er war immer ein treuer Untergebener, folgsam und ergeben.

Er schritt vor sich hin, seine Gedanken mit jeder Stufe, die er hinab schritt, stärker werdend. So stark, dass sie wie Nebel seine Wahrnehmung trübten und sich wie eine Schlange um seinen Hals legten. Und je mehr er voran schritt, umso weniger verstand er es. So sehr er sich auch bemühte, wollte ihm die erlösende Antwort auf seine Frage doch nicht in den Kopf schießen.

„Wie konnte das passieren?“ stieß es aus ihm heraus, an der letzten Stufe angekommen.

Es war ein herrlicher Tag in Eden, so wie jeder andere Tag auch. Das bedeutete nicht, dass jeder Tag gleich wäre, aber jeder Tag war ein herrlicher Tag. Denn die heiligen Plateaus waren einfach ein herrlicher Ort.

Auf dem Vorplatz des Palasts trafen Gottaristokraten aufeinander und begrüßten sich in gewohnt überschwänglich höflicher Art. Boten stiegen die Stufen zum Palast des Rates hinauf und hinab, jeder mit einiger seiner wichtigen Nachrichten. Er bewunderte sie, die jeden Tag die weitesten Strecken zurücklegten um die Botschaften ihres Herrn zu überbringen und umgekehrt ihm welche zukommen zu lassen. Sie hinterfragten nicht, sie folgten. So wie er.

Die Aristokraten hingegen waren Götter, deren einziger Sinn und Zweck es schien über Angelegenheiten und Maßnahmen des Rates zu diskutieren und zu philosophieren, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt waren in ihren Anwesen Feierlichkeiten für die Gesellschaft- so wie sie sich gerne selbst bezeichneten- auszurichten. Einige von ihnen waren ebenso folgsam und ergeben, wie Boten. Andere waren durchaus revolutionär und brachen immer mit neuen Ideen hervor, mit deren sie das Wohl aller zu steigern gedenkten. Doch sie waren fester Bestandteil des Palasts. So wie er- zumindest bis vor wenigen Augenblicken.

Er stand immer noch am Absatz der letzten Stufe, als er sich umdrehte um seine Heimat, sein Leben zu betrachten. Ein letztes Mal.

Dieses riesengroße Anwesen, welches jeden anderen Tempel und jedes andere Gebäude, selbst alle zusammengenommen, wie einen alten Schuppen aussehen ließen, strahlte in dem gewöhnlichen Weiß, so wie es schon immer strahlte. Der Eingang, der auf die 150 Stufen lange Treppe folgte, war mit Säulen verziert. Charakteristisch für diesen Palast der Paläste war die riesige Kuppel, die allein schon Ausmaße eines Anwesens von erheblicher Größe hatte. Oh, wie schmerzt es mich dich zu verabschieden! Es sah prachtvoll, mächtig, uneinnehmbar, ja geradezu majestätisch aus, was es letztlich auch war.

Hier tagten die Räte der Gotthoheiten und koordinierten die Geschicke von Allem. In diesen heiligen Hallen berieten sich die Größten der Großen, die Mächtigsten der Mächtigen. Die Sieger des Großen Kriegs.

Doch er würde den Palast in nächster Zeit nicht mehr sehen. Er, der selbst im großen Krieg kämpfte.

Er- Razuriel. Der Vertriebene.

Und wieder fragte er sich: „ Wie konnte das passieren? Wie?“




  1. Kapitel

„Mist! Ich muss mich beeilen!“ Ellen stand im Stau. Mal wieder. Bei diesem Wetter war das auch nicht ungewöhnlich. Sobald es regnete, passierten Unfälle. Manchmal kam es ihr so vor, als regnete es nur, damit Unfälle passieren, und sie deshalb im Stau steht um mal wieder zu spät zu sein. Zu spät zur Arbeit, zu spät in der Vorlesung oder, was auch schon vorkam, zu spät zu ihrer eigenen Prüfung. Wenn die junge Studentin so im Stau stand, dachte sie sich jedes Mal, dass es Absicht sein muss. Irgendjemand will sie leiden sehen, fluchen hören oder schlichtweg durchdrehen erleben. So musste es sein, dachte sie sich.

„Komm schon!“ bettelte Ellen. Die Uhr in ihrem Radio zeigte 8:45 Uhr. Um 9:00 Uhr begann die Vorlesung. Sie stand auf der Straße ungefähr zwei Kilometer vom Parkplatz der Universität entfernt. Dem Ziel so nah und doch so fern. Ihre Gedanken halfen ihr im Moment nicht wirklich weiter. „Ach man! Wieso können manche Leute kein Auto fahren? So eine verdammte Scheiße!“ Ellen fluchte oft, wenn sie im Auto saß. Nach ihrer Ansicht wäre die Welt viel angenehmer, wenn nur sie Auto fahren dürfte. Schließlich war sie bisher unfallfrei.

Die Minuten verstrichen auf ihrem Radio, es war bereits 8:51 Uhr. „Kommt schon, PENNER!“

Doch endlich bewegte sich die vor ihr befindliche Kolonne. Ganz langsam, Meter für Meter kam das Mädchen der Ausfahrt näher, von da an wäre es nur noch ein Katzensprung bis sie im Vorlesungssaal säße und die Vorlesung pünktlich mit ihrer Anwesenheit rechnen dürfte. Nur noch wenige Meter bis zur Ausfahrt und Ellen feuerte die Metallschlange vor ihr an: „Ja! Ja! Komm schon, komm schon! Gleich haben wir’s, gleich sind wir da, kommt schon, ihr Penner!“ 08:53 Uhr. „Oh man! Na los doch! Noch ein bisschen! Jaa? Ja. Ja! JA!“ Die Autos bewegten sich soweit, dass Ellen schließlich durch kurzzeitige Inanspruchnahme der für Busse vorbehaltenen Spur ihre Ausfahrt erreicht und schließlich zwei Minuten später das Auto geparkt und abgeschlossen hatte und sich mit ihrer Tasche auf dem Weg in den Vorlesungssaal befand.

„Hey Ellen! Huhu!“ Sie drehte sich im Lauf um und erblickte den Ursprung des Nachrufs. „Manuela! Hey!“ Manuela war eine Studienkollegin von Ellen und zudem ihre Freundin. Sie war ein kleines, braunhaariges Mädchen mit Sommersprossen, was den Eindruck erweckte südländische Wurzeln zu haben. Auch wenn sie an die 1,60m nicht heranreichte, war sie dennoch nahezu optimal proportioniert und ihre großen braunen Augen, waren der Stoff, der Männer zu Schoßhündchen machten. Sie trug- wie häufig- eine Kombination aus einem Rock, einem Top und einer Strickjacke, wobei sie die Kombination wetterabhängig durch das Hinzufügen weiterer Jacken und einer oder mehrerer Strumpfhosen anpassen konnte. Das von Ellen scherzhaft bezeichnete Zwiebel- oder Schichtsystem funktionierte, war ihr jedoch viel zu anstrengend. Denn wer wollte schon vor und nach jeder Vorlesung bei entsprechendem Wetter 4-5 Jacken umziehen? Was Ellen an Manuela bewunderte waren die Schuhe, die sie trug. Denn sie trug zwar nicht jeden Tag neue Schuhe, aber immer andere. Ob Stiefel, hochhackige Schuhe, flache Ballerinas oder Sandalen, es war immer etwas anderes. Heute trug sie flache Winterstiefel, deren oberer Rand mit Kunstfell geschmückt war. Dass es Kunstfell war, musste Ellen nicht erraten, sie wusste es. Denn Manu liebte Tiere und konnte keineswegs echtes Fell tragen. „Die armen Was-auch-immer-man-da-töten-muss!“, sagte Manu immer.
Anima libera

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Mittwoch, 10. August 2011, 18:28



Im Moment zählt sie 60 Seiten, die ich natürlich nicht hier alle einstelle, also keine Angst.


Warum denn net? Magste uns erst noigierig machen und dann ne lange Nase zeigen? :D
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An'ye harm none, do what ye will

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Donnerstag, 11. August 2011, 13:26

:muah: Selbst verständlich :D

Nee.. zumindest nicht ausschließlich.

Erstens ist si ja noch in der Bearbeitung, zweitens ändere ich vielleicht noch einiges ab, wenn ich die Zeit dazu hab und drittens bin ich äußerst selbstkritisch.

Naja, mal sehen, vielleicht stell ich heut noch was ein, so aus dem Mittendrin der bisjetzigen Story...
Anima libera

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Donnerstag, 11. August 2011, 17:47

Ich tät mich freuen ^^ :)
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An'ye harm none, do what ye will

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Donnerstag, 11. August 2011, 18:14

Erstens ist si ja noch in der Bearbeitung, zweitens ändere ich vielleicht noch einiges ab, wenn ich die Zeit dazu hab und drittens bin ich äußerst selbstkritisch.


Entschuldige meine Direktheit, aber ich finde es immer etwas doof, wenn man sich im Vorfeld dafür entschuldigt, und sagt, dass es ja noch in Bearbeitung sei ;) Dann soll man bitte veröffentlichen, wenn es fertig ist ;) sehe ich so...
Preisfrage:
1. Anna Blume hat ein Vogel,
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?

6

Donnerstag, 11. August 2011, 23:05

Geb ich dir grundsätzlich recht, aber da dies erst in Jahren der fall sein könnte, und ich mich nicht solange beherrschen konnte und wollte, hab ich's doch gemacht :P

Außerdem entschuldige ich mich, und ich denke, das hast du erkannt, weil ich Selbstzweifel hege und mein Selbstbewusstsein, wenn es um mich geht nicht sonderlich ausgeprägt ist. Dass das schlecht ankommt, verstehe ich. denn auch wenn ich nicht erkennbar ein etwas schüchterne und von selbtzweifeln geplagteer Mensch bin, so bin ich glücklicherweise noch nicht dämlich.

Aber ich werde meine nächsten Veröffnetlichungen dergestalt bearbeiten, dass ich sie so sogar, zumindest eine Zeit lang, stehen lassen würde.

Sorry for execusing :S
Anima libera

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Freitag, 12. August 2011, 14:05

Weiter geht's:

„Wie geht’s dir? Wir sind heute ein bisschen knapp, oder?“ Manu lächelte Ellen an, während beide zügig weitergingen. „Ja, wie immer.“, lächelte sie zurück, „Weißt ja, der Verkehr und so. Und außerdem kennst du mich doch.“ zwinkerte sie ihrer Freundin zu. „Du hast ein schönes Kleid an! Wo hast du das her?“ erwiderte Manu. Ellen schaute kurz an sich herunter. Sie trug ein dunkles braunes Kleid, darunter einen dünnen, roten Rollkragenpullover und darüber ihren Wintermantel. Auch sie trug heute Stiefel, allerdings hatten ihre Absatz und kein Kunstfell. Sondern bestanden aus schlichtem braunen Leder. Insgesamt gab sie mit ihren rotblonden Haaren und blaugrünen Augen, dem blassen Teint und den Sommersprossen das Bild einer anständigen, klugen und strebsamen Studentin ab. „Ach das. Du, keine Ahnung. Das hing einfach so in meinem Schrank rum. Muss ich wohl irgendwann letztes Jahr gekauft haben. Aber trotzdem danke!“ Ellen mochte es natürlich Komplimente zu bekommen und wenn man ein Kompliment von der sehr auf ihr Äußeres bedachten Manu bekam, umso mehr, aber im Gegensatz zu ihrer Freundin gab es für Ellen mehr als einfach nur gutes Aussehen.

Im Vorlesungssaal angekommen, setzten sich die zwei Freundinnen nebeneinander packten ihre Sachen aus und waren auf die Minute genau um 09:00 Uhr startbereit.
Doch wider Erwarten startete die Vorlesung nicht, denn ihr Professor Dr. Walkovic war als Einziger nicht anwesend. „Vielleicht kommt er ja nicht!“ bemerkte Manu erwartungsvoll. „Na das wär’s noch! Ich hetz mich ab und der kommt nicht. Hilfe, bloß nicht!“ „Streberin!“ neckte Manu. Ellen war tatsächlich eine sehr strebsame Studentin. Das lag zum einen daran, dass sie aus nicht besonders gut betuchter Familie stammt und ihr Studium daher sehr ernst nahm, darüber hinaus empfand sie ihr Jurastudium entgegen jeglichen Klischees interessant. „Was meinst du wie lange wir warten sollen? 15 Minuten? Oder 30? Oder komm, Ellen, wir gehen einfach und frühstücken erstmal schön.“ Der letzte Satz war mit einem Kichern verbunden, denn Manu kannte die Antwort bereits. „Wir warten erstmal ab. Ich bin sicher, dass sich auch mal Professoren verspäten. Sind ja schließlich auch nur Menschen.“ „Hey sieh mal! Da drüben sitzen Sarah und die anderen! Ich geh mal kurz rüber, kommst du mit, Ellen?“ „Nee du, äh“ noch bevor Ellen den Satz beenden konnte, war Manu auch schon unterwegs. Was für ein Wildfang sie doch ist. Andere Menschen hätten wahrscheinlich Probleme mit der sprunghaften und unbekümmerten Art von Manuela, aber Ellen mochte genau das an ihr. In Wahrheit beneidete sie sie, weil sie anders als Ellen, nicht arbeiten musste, um ihr Studium zu finanzieren. Ihre Eltern waren beide im Beruf sehr erfolgreich. Während ihr Vater Hauptgesellschafter und Vorstandvorsitzender eines großen Unternehmens für Biochemische Präparate und Biotechnik war, arbeitete ihre Mutter als Richterin am Bundesgerichtshof. Zudem trat ihr Vater ein großes Erbe an, welches wohl weit in den sieben- oder achtstelligen Bereich reichte. Geldsorgen hat ihre Familie jedenfalls nicht. Deswegen nahm Manu ihr Studium auch nicht sonderlich ernst. Manchmal fragte sich Ellen, warum Manu überhaupt studierte.
Ellen musste sich hingegen ihr Studium weitestgehend selbst finanzieren. Ihre Pflegeeltern hatten nicht genug Geld, um ihr ein so sorgenfreies Leben zu ermöglichen, aber sie taten ihr Bestes. Doch leider reichte das nicht allein um zu überleben, sodass sie neben Ausbildungsförderung des Staates zusätzlich arbeitete, um sich das Leben als Studentin zu finanzieren.
Der Professor war immer noch nicht da. Dann würde er wohl wieder überziehen, was er schon ohnehin oft genug tat. Er war ein guter und sehr sympathischer Professor, der sich auch gern den Problemen seiner Studenten annahm, aber manchmal, also öfters, verhakte er sich so sehr in seine Vorlesung, dass er sich regelmäßig in den ganzen Streitständen, Gesetzestexten und Entscheidungen so festredete, dass er immer ein bisschen länger machen musste, um seinen Gedanken noch abzuschließen, weshalb er auch scherzhaft „Walkie-Talkie“ genannt wurde. Aber Ellen mochte ihren Professor, denn er verstand, dass Leute wie Ellen, die eben nicht soviel Geld hatten, es schwer hätten im Studium und das bedauerte er zutiefst. Er war sicherlich kein armer Mann, aber er zeigte Mitgefühl für die, die weniger haben und wenn es nach ihm ginge, dann würde jeder ungeachtet seines Einkommens studieren sollen, und zwar so, dass er nicht nebenbei arbeiten müsste. Davon war Ellen überzeugt.
Wie sie so über ihren Professor nachdachte und zeitgleich, ob sie jemals so gut sein würde wie er, oder zumindest annähernd so gut, damit sie die Prüfungen besteht, bemerkte sie nicht, wie die Türen zum Vorlesungssaal aufgerissen wurden.
Anima libera

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Freitag, 12. August 2011, 14:13

:)
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An'ye harm none, do what ye will

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Freitag, 12. August 2011, 14:16

Erst als Professor Dr. Ivan Walkovic nach vorn an das Rednerpult schritt, wurde Ellen aus ihren Gedanken gerissen, als Manu zu ihrem Platz stürmte.
Professor Walkovic sah sehr ernst und besorgt aus. Auf seiner in Sorgenfalten gelegten Stirn glänzten Schweißperlen. Er hastete zügig hinter das Rednerpult und verharrte.
Schließlich wurde der Vorlesungssaal still. Und es passierte. Nichts.
Einige Augenblicke vergingen, in denen kein Laut gesagt wurde, kein Husten, kein Räuspern, Nichts. Lediglich Manu musste die Situation kommentieren und hinterfragen: „Sieht nicht gut aus, der Walkie-Talkie. Ich frag mich, was los ist? Sonst ist er doch ganz anders.“ ,flüsterte sie.
Womit sie Recht hatte. Der Professor war ein aufgeschlossener, fröhlicher und höflicher Mann, der egal zu welcher Stunde ein herzensgutes und hochmotivierendes „Hallo!“ übrig hatte. Doch heute war er angespannt mit missmutiger Miene. Der doch so luftig-lockere, überfreundliche Professor war heute versteift und verschlossen. Mit seinen Händen hielt er sich am Rednerpult fest und verkrampfte sich dabei so stark, dass man das Weiße an seinen Fingerknöcheln hervortreten sah.
„Meine Damen und Herren!“, durchschnitt es beinahe erlösend die Stille, „Ich habe eine Ankündigung zu machen. Ich bitte Sie um Ihre volle Aufmerksamkeit und muss darauf bestehen, dass sich niemand zu Wort meldet oder sonst störend tätig wird. Bitte hören Sie einfach nur zu.“



2. Kapitel



Razuriel lief durch den Vorhof des Palasts. Immer wieder fragte er sich, wie es zu seinem Verweis aus dem heiligen Palast der Götterfürsten kommen konnte. Der Rat der Gotthoheiten hatte bereits vor der Anhörung einen Boten angewiesen Razuriel’s Sachen aus seinen Räumen zu holen und zusammenzupacken, damit er so schnell wie möglich seinen Weg beschreiten könnte. Auf die Rückkehr des Boten wartete er nun und zog seine kleinen Runden durch den gigantischen Vorhof des Palasts. „Seid gegrüßt, Razuriel, treuer Ergebener des Rates.“ ertönte es plötzlich vor ihm. Razuriel blieb stehen, um aufzublicken: „Oh, Lathan, göttlicher Gehilfe. Schön Euch zu sehen, wie geht es Euch?“ „Danke der Nachfrage, alter Freund. Wie ich hörte, verlasst ihr die Heiligen Plateaus? Sagt, was habt Ihr vor?“ Lathan und Razuriel kannten sich schon lange, auch wenn ihre Redensart Gegenteiliges vermuten ließe. Doch am Hofe des Palasts herrschten strenge Regeln, deren Befolgung unumgänglich war, da einem ansonsten fürchterliche Strafen erwarteten, wenn man sich am Hofe nicht standesgemäß an die vorgeschriebene Etikette und Form hielt. Alles andere wäre eine Beleidigung des Anwesens, und damit des Rates. „Lathan, ich wünschte ich könnte Euch eine Antwort darauf geben.“ „Ihr wirkt sehr besorgt. Was ist geschehen?“
Anima libera

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Freitag, 12. August 2011, 16:02

Ist ja kein Problem ;) vielen nutzen diese Floskeln eben um sich später dann für Fehler zu entschuldigen ("habe ja gesagt, ich bin noch nicht fertig!"). Aber hey, kein Meister ist vom Himmel gefallen und ich finde es immer wieder mutig wenn man Texte von sich veröffentlicht :)
Preisfrage:
1. Anna Blume hat ein Vogel,
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?

11

Freitag, 12. August 2011, 16:32

Nein, ich bin schon für Kritik und Anregungen dankbar. Ich finde halt nur, dass man das auch entsprechend formulieren sollte, und nicht halt wie: "Ey, Alter, totale Grütze, die du da schreibst! Hab noch nie so nen schlechten Scheiß gelesen, du Hobbit!"

Oder so ähnlich... :D Noch einmal für heute:

Lathan war ein junger Anwärter für den Dienst in einer der Wachbataillons. Er wurde von Razuriel eine zeitlang ausgebildet, bevor sich dieser in den unmittelbaren Dienst des hohen Rates stellte. Dennoch und nicht zuletzt aufgrund der unbändigen Neugier des damals noch jüngeren Anwärters entwickelte sich eine tiefe, auf Ehrfurcht und Respekt basierende Freundschaft zwischen ihnen.
„Ich wurde zum Rat gerufen, wegen einer Anhörung.“ begann Razuriel langsam und mit spürbarer Trauer in seiner Stimme auf die Frage zu antworten. „Eine Anhörung? Wegen was denn?“ fiel ihm Lathan ins Wort. „Wenn Ihr mich ausreden lasst, so werde ich es Euch auch erzählen können!“ presste Razuriel durch zusammengekniffene Zähne. Der junge Freund wusste um die Gepflogenheiten am Hofe des Palasts und ihm fiel Razuriel’s Zähneknirschen sofort auf. Er fuhr fort: „Also, wie ich es Euch sagte, ich wurde zu einer Anhörung gerufen. Wie Ihr sicherlich ebenfalls gehört habt, tagt der Rat in den letzten Dekaden überaus häufig. Und wenn mich meine Ahnung nicht täuscht, so habt ihr auch von den Gründen gehört, aufmerksamer Lathan?“ Er kannte die Neugier seines Freundes und sein inneres, beinahe zwanghaftes Bedürfnis seine Nase in die verschiedensten Angelegenheiten rein zu stecken. „Nun, ich höre im Moment, dass Ihr viel gehört habt, alter Meister. Aber es stimmt, ich habe von einigen aufmerksamen Gottesboten einige Informationen über die Tagungen erfahren. Es geht dabei um die Schattengestalten, die Dämonen, Untoten und Geister. Und wohl auch um den dunklen Rat. Ich hörte, dass dieser ebenfalls sehr aktiv in letzter Zeit tagte. Insgesamt, so vermute ich es, geht es um die Folgen des Großen Kriegs, im Allgemeinen. Oder ist das eine irrige Annahme meinerseits?“ Razuriel konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er bewunderte den Informationsdrang seines Freundes, und die Fähigkeit sich zu artikulieren. Er wäre ein hervorragendes Mitglied der Gesellschaft. Doch die Mitgliedschaft würde ihm auf Ewig verwährt bleiben. Zum Einen weil er ein Innovativer ist und alles hinterfragen muss, zum Anderen- und das ist der unüberbrückbare Grund seines Ausschlusses- weil er ein Waise war. Seine Mutter verschwand kurz nach seiner Geburt, seitdem wuchs Lathan in den Waisenlagern der heiligen Stadt auf, die mehr einer Militärakademie glichen als einem Zuhause. Über seinen Vater war nichts bekannt. „Ihr seid sehr aufmerksam. Das hab ich schon immer bewundert. Und Ihr liegt nicht allzu falsch mit Eurer Annahme. Wie Ihr sicherlich im Rahmen eurer Ausbildung erfahren habt, wurden durch den Großen Krieg und den Toden hunderter Götter und Dämonen, durch deren Blut der Kosmos und die Gestirne geschaffen. Selbst das Leben auf einiger dieser Gestirne ist zurückzuführen auf die Tränen der Göttinnen um ihre gefallenen Gatten und Kinder. Doch es scheint, als wäre es dabei nicht geblieben.“ Razuriel hielt einen Moment inne. „Es gibt bestätigte Beobachtungen der verschiedensten Götter und Untergötter über Lebensformen, die der unseren gleichen.“ Lathan riss seine Augen auf: „Ihr meint doch nicht allen Ernstes, dass durch den Krieg Götter und Dämonen auf den Gestirnen zu leben begonnen haben? Ich meine, wer würde denn bitte ein Leben auf einem Klumpen Gestein, dem Leben in den heiligen Plateaus vorziehen?“
Die heiligen Plateaus waren die Gesamtheit aller Gottesstaaten. Die unterschiedlichen Völker der Gotthoheiten lebten auf dem heiligen Plateau, dessen Herzstück das Regime von Eden bildete, wo alle Völker zusammentrafen. „Beruhigt Euch!“ Razuriel musste seinen Schützling zur Raison rufen, denn zu lautes Gerede zog auch im Palast der Gotthoheiten ungebetene Zuhörer an. „Vergesst nicht, wo Ihr steht!“ Lathan blickte schuldbewusst vor sich hin: „Verzeiht. Ich vergaß meine Haltung.“ Eine Verbeugung folgte seinen Worten. „ Schon gut, mein Freund. Ihr wisst, dass ich mich nur um Euer Wohl sorge. Und Ihr wisst auch, dass Ihr stellenweise ein wenig ungestüm seid.“ Razuriel holte noch einmal tief Luft. „Der Rat beobachtete die Lebensformen der Gestirne mit zunehmender Beunruhigung. In den letzten Jahrhunderten erlebten die Völker der Gestirne eine rasante Entwicklung. Gleichwohl konnte der Rat durch seine Beobachter keine magischen oder göttlichen Fähigkeiten bei den Lebewesen entdecken. Sie vermuten, dass die Zunahme der Tagungen des Dunklen Rates etwas mit dieser rasanten Entwicklung zu tun hat. Es könnte sogar sein, dass sich unter diesen schwachen Abbildern tatsächlich Ausgestoßene und Vertriebene befinden, oder schlimmer noch, dass die Legionen der Unterwelt die Gestirne besiedelt haben.“ Er ging während seiner Rede einige Schritte bis zum steinigen Geländer der Treppe, an welchem er sich nun, mit einem Seufzer anlehnte. Lathan folgte ihm dabei auf Schritt und Tritt „Werter Razuriel, das sind unglaubliche Neuigkeiten. Es könnte bedeuten, dass sich die Unterweltlegionen mobilisieren, oder aber, dass durch den Großen Krieg ein oder mehrere neue Völker erschaffen wurden. Aber ich verstehe nicht, was es mit Euch zu tun hat, Razuriel?“
Ein Knurren stieg in seiner Kehle auf und lies seine Antwort bedrohlicher wirken, als gewollt. „Nun“, Razuriel holte Luft, „der Rat berichtete von den Lebewesen. Sie haben im Laufe Ihrer Entwicklungen Götter angebetet. Davon sind sie teilweise abgerückt. Teilweise beten sie Dämonen an.“
„DAS IST JA SCHRECKLICH!“, schrie es auf.
Die Unterhaltungen der umstehenden Aristokraten verstummten und ihre Augen richteten sich sofort auf die zwei Männer. Im selben Moment, als Lathan bemerkt hatte, das seine Emotionen mit ihm durch gegangen sind, verspürte er einen Zug an seiner Robe.
Razuriel zerrte ihn hinter das Geländer und versteckte sich mit Lathan in den Begrünungsanlagen des Palasts. „ Verdammt noch mal, Junge! Seid ihr noch zu retten! Was glaubt Ihr, was Ihr hier macht?“ Razuriel war aufgebracht. Er hatte nichts gegen die Gesellschaft, aber er wollte nicht der Grund sein, warum es zur Aufruhr kommt oder sich gar einige der Aristokraten um diese neuen Welten kümmerten. Dies würde die Einigkeit im Rat bedrohen und damit die Gottesallianz angreifbar machen. „Verzeiht mir! Bitte, ich wollte nicht…“
„ Schweig, du Narr!“ Razuriel hielt Lathan immer noch an seiner Robe. Sein durchdringender Blick offenbarte, dass er mit seiner Geduld gefährlich nah ans Ende gekommen ist. „Ihr seid ab jetzt ruhig und sprecht nur wenn ich es Euch erlaube! Haben wir uns verstanden?“, seine Augen ließen keinen Zweifel daran, dass, falls Lathan nicht zustimmte, die Konsequenzen einer Bestrafung die der Aufseher gleich kämen, wenn nicht sogar die Strafe der Aufseher in Anbetracht dessen vorzugswürdiger schien. Er wusste natürlich, dass die Frage von seinem Gegenüber nur eine Antwort zuließ, weshalb er zustimmend nickte. Er mochte den gutherzigen Razuriel, wusste aber auch, dass er in seinem Handeln sehr geradlinig war, und man ihn nicht herausfordern sollte, außer man mochte es Niederlagen einzufahren. „ J-Ja, tut mir leid!“ Razuriel beruhigte sich und ließ Lathan schließlich los. „ Hör zu, Lathan, auch wenn der Rat momentan sehr beschäftigt ist, so warten seine Aufseher nur auf Verstöße gegen die Etikette um ihre Befugnisse ausüben zu können.“, er klang jetzt beinahe besänftigend, „Und du weißt, dass ein Waise für sie gefundenes Fressen ist! Das Problem, was ich dir zu schildern versuche, ist, dass es meine Aufgabe war als Diener des Rates die äußere Sicherheit zu überwachen.“ Razuriel sprach mit gesenkter Stimme, so dass der Verstoß gegen die Etikette nicht entdeckt werden würde. Er fasste sich einen Moment und begann weiter zu sprechen: „Diese Lebensformen beten Gottheiten und anderes an. Das Problem ist, dass diese Gottheiten denen des Rates entsprechen! Selbst die Dämonen sind ähnlich derer, die im Großen Krieg kämpften! Der Rat gibt mir die Verantwortung dafür. Sie gehen davon aus, dass Wesen des Lichts und der Dunkelheit wichtige Informationen über uns alle verbreiten. Als Herr der äußeren Wache hätte mir so was auffallen müssen. Ich habe versagt, Lathan!“ Beim letzten Satz ging Razuriel auf seinen Vertrauten zu und packte ihn verzweifelt an den Schultern. „Verstehst du, was das bedeutet?“ Lathan’s Augen waren so weit aufgerissen, dass das Weiße in seinen Augen deutlich hervortrat. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Blitz und stand ihm nun deutlich ins Gesicht geschrieben. „ Du wirst verwiesen. Oh nein! Das darf nicht sein! Warum? Du kannst doch nichts dafür! Warum du?“

Bis die Tage :D
Anima libera

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Montag, 15. August 2011, 15:28

„ Was ist hier los!“ Razuriel und Lathan drehten sich um. Über ihnen schwebte ein Aufseher des Palasts. Seine leuchtenden Augen fixierten beide durch eine finstere Miene. „Aufseher Cranis! Lasst mich erklären!“ stieß Razuriel hervor. „SCHWEIG!“ entgegnete der Aufseher mit einer widerhallenden Lautstärke gleich einem Donner, „ihr versagt dem Rat euren Anstand? Das ist Verrat! Dafür werdet ihr bezahlen!“ Mit diesen drohenden Worten stieß Aufseher Cranis mit dem Schwert ausholend herab.



Ellen saß immer noch gespannt im Vorlesungssaal. Professor Walkovic bat um die Aufmerksamkeit der Studenten und fuhr fort. „Meine Damen und Herren. Im Dekanatssaal kam gerade eine fürchterliche Meldung durch von einem Unwetter, welches ein globales Ausmaß der Bedrohung angenommen hat. Aufgrund ihrer aller Anwesenheit scheint die Meldung noch nicht zu ihnen durchgedrungen zu sein. Das Unwetter wird in wenigen Stunden auf Deutschland treffen. Die Vorlesungen finden bis auf Weiteres nicht statt. Gehen sie sofort nach Hause. Befestigten Sie alles an ihrer Wohnung oder Ihren Häusern. Verschließen sie Fenster und Türen. Und schließen sie die Stromversorgung ab. Das Unwetter ist das größte in der Geschichte der Menschheit und hat bereits verheerende Folgen in den USA und Südamerika hinterlassen. Die Todeszahlen belaufen sich bereits jetzt auf einige Hunderttausende!“ Allgemeines Entsetzen und Raunen zog sich durch die Reihen. „Bitte bewahren Sie Ruhe! Ich kann Ihnen und uns allen nur Glück wünschen und ich hoffe, dass wir uns bald wieder sehen.“ Am Ende stockte seine Stimme. Die panische Angst und Sorge stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Ich fordere Sie auf, Ihre Sachen zu packen und das Campusgelände so schnell wie möglich zu verlassen. Wenn Sie nicht müssen, dann nutzen sie keine Verkehrsmittel, sondern gehen Sie zu Fuß. Für die, die weiter weg wohnen, bitte versuchen Sie nahe gelegene Unterkunft zu bekommen. Und im Gegenzug bitte ich die, die näher wohnen, ihren Mitstudenten und Mitmenschen zu helfen! Der Campus ist für eine solche Bedrohung leider nicht konzipiert, und die Gebäude werden wohl überwiegend dem Unwetter nachgeben. Binnen einer Stunde wird niemand mehr auf dem Campus anzutreffen sein. Mit diesen Worten verlasse nun auch ich Sie. Ich wünsche Ihnen das Beste. Und wenn Sie gläubig sind, dann beten Sie. Für uns alle! Und nun Beeilung! Raus hier! Die Zeit rennt!“ Damit verabschiedete sich Professor Walkovic und verließ schlagartig das Pult und steuerte auf die Tür zu. Unterwegs blockte er alle Anfragen der Studenten ab und verschwand so zügig wie er hereingeplatzt war. „Das ist ja schrecklich!“ kreischte Ellen. Es blieb ihr kaum Gelegenheit die Bedeutung der vom Professor gesprochenen Worte richtig zu verarbeiten, da wurde sie an ihrem Oberarm aus ihrer Starre gezerrt, „Ellen komm, pack deine Sachen, du kommst mir zu mir. Ich brauche Hilfe beim Befestigen. Wir nehmen noch ein paar andere Studenten mit. Platz haben wir bei uns zu Hause genug! Auf jetzt!“ Manu hatte bereits ihre Sachen gepackt und sich ihre Jacke über den Arm geworfen. Ellen war geschockt von der Situation. Ein Unwetter? Hunderttausende Tote? Was war hier los? „Verdammt Ellen! Komm!“ Manu half ihrer Freundin beim Zusammenpacken der Sachen. Sie verließen mit den anderen Studenten den Vorlesungssaal und befanden sich vor dem rechtswissenschaftlichen Gebäude der Universität Mainz. Ellen war in Trance, sie wusste nicht genau, wie sie so schnell hier hin kam und nahm ihre Umgebung gar nicht richtig wahr. Alles war wie durch einen Schleier verhüllt. Nur beiläufig nahm sie wahr, wie sich noch drei junge Männer und eine weitere Studentin kurz vorstellten, ohne das Ellen mitbekommen hätte wie sie hießen oder das sie sich selbst vorgestellt hätte. Der Himmel verdunkelte sich bereits, es war wie Abenddämmerung, nur dass es erst kurz vor zehn Uhr morgens war. Manu packte Ellen am Arm und zog sie mit sich, während die Übrigen folgten. Ellen wusste nicht, was mit ihr los war, warum sie so geistesabwesend war und sie einfach nicht reagieren konnte. Sie hatte keine Erklärung dafür. Manu wohnte glücklicherweise nicht weit weg von der Universität.
Anima libera

13

Montag, 15. August 2011, 15:28

Bei Manu angekommen wurde Ellen auf ein Sofa gesetzt. Sie sah sich um und bemerkte wie Manuela Anweisungen gab, was zu tun ist. Allerdings konnte sie die Worte nicht genau verstehen, es war, als hätte sie einen Hörsturz. Alle Anwesenden verließen den Raum, nur Ellen blieb sitzen und starrte durch das Fenster. Die Wolken zogen stark am Himmel vorbei, ohne dass es ein Ende hätte. Der Himmel verdunkelte sich immer mehr und langsam kam starker Wind auf, der gegen die Fenster schlug. Ellen saß da und beobachtete alles. Du musst was tun, dachte sie sich. Steh auf und tu was! Mach wenigstens die Rollladen herunter und schau nach ob alle Fenster geschlossen sind. Los doch! Beweg dich! Mach jetzt! Beweg deinen Arsch! „Jetzt beweg dich, verflucht nochmal!“ schrie Ellen auf einmal heraus.
Der Aufschrei bewirkte, was er sollte. Ellen kam zu sich, so als ob jemand anderes sie angeschrieen hätte. „Oh Gott! Die Fenster, ich muss die Fenster schließen!“ Sie stand auf und hastete zu den Fenstern, sie waren alle zu. „Die Rollläden!“ Ellen zog hastig einen Rollladen nach dem anderen herunter. „Was jetzt? Was jetzt?“ In diesem Augenblick schoss Manu ins Zimmer, gefolgt von einem der jungen Männer „Was ist los? Ellen? Alles okay? Wir haben dich schreien hören! Sag schon, was ist?“ Ellen kam immer mehr zu sich und war froh Manu zu sehen. Erst jetzt realisierte sie, wo sie war und was los war. „Manu! Gott bin ich froh dich zu sehen. Ich hatte wohl so was wie einen Black-Out. Tut mir leid! Was soll ich machen?“ Manu stieß erleichtert die Luft aus „Puh! Ich dachte schon, du wärst vollkommen weggetreten. Meine Güte, du kannst einem echt Angst machen, du olle Sumpfkuh!“ Manu lachte erleichtert auf und bewegte sich zügig auf Ellen zu, um sie den Arm zu nehmen. „Alles okay Ellen, wir haben bereits alles erledigt. Die anderen machen gerade Essen und Getränke in der Küche.“ Ellen war fassungslos. Wie lange waren sie denn schon hier? „Wie lange.. ?“ „Ellen, wir sind bereits seit über einer halben Stunde hier.“, warf der Kerl ein. „Ich bin übrigens Maxis. Ich glaube, du hast das vorhin nicht so mitbekommen.“, lächelte er den beiden Mädels entgegen. „ Ich schau nach den anderen. Ihr Zwei kommt klar soweit?“ „Ja, geh ruhig. Ich bin ja da.“, antwortete Manu und damit verschwand Maxis aus der Tür. „Eine halbe Stunde?“, Ellen war sichtlich verwirrt und hielt sich die Hand vor dem Mund. Manu erkannte, dass sie mit den Tränen kämpfte. „Hey. Ist schon okay, meine Süße. Wir haben alle mal Aussetzer. Schon gut.“, sie nahm ihre Freundin in den Arm, „Außerdem hast du immerhin das Zimmer hier gecheckt, oder?“ Ellen begrüßte die Umarmung: „ Tut mir so leid! Ich weiß nicht, was los war. Ich war wie weggetreten, als wäre ich gar nicht da. Es tut mir so leid!“, dabei musste Ellen anfangen zu schluchzen. „Hey es ist doch in Ordnung! Du hast hier saubere Arbeit geleistet.“, bemerkte Manu, die prüfend über alle Fenster blickte, „Komm setz dich hin und beruhig dich. Es ist alles cool soweit. Hier sollten wir sicher sein. Wieder besser?“ Manu streichelte ihr über den Rücken, was sie sichtlich beruhigte. Nach einigen wenigen Schluchzern fing sich Ellen wieder. Ein zaghaftes Lächeln umspielte ihre Lippen: „Ja besser. Danke. Vielen Dank Manu. Du bist echt die Beste!“.
„Ich weiß!“ grinste Manu breit zurück.
Im Flur war Geschirr klappern zu vernehmen und kurz darauf folgten die vier Studenten mit Tabletts voller Essen und Getränke. „Das sollte erstmal reichen, denke ich.“, sagte Maxis, der mit zwei Sixpack stillem Wasser voranging. Er stellte das Wasser ab und schob den Tisch beiseite der vor dem Sofa stand. „Lasst uns das Essen hier auf den Boden stellen, dann können wir uns alle darum setzen. Oder was meint ihr?“, dabei blickte er Manu und Ellen an. Beide nickten. Die anderen drei folgten, stellten alles ab und setzten sich schließlich auf den Boden. Auch Manu und Ellen rutschten vom Sofa herunter und setzten sich dazu. „Also vorhin war das alles ein bisschen hektisch, ich mach euch nochmal alle miteinander bekannt.“, ergriff Manu das Wort.
„Also Maxis, unser Wasserträger ist eigentlich klar mittlerweile. Das hier“, Manu deutete auf eines der Mädchen. Sie hatte schwarze Haare und wirkte asiatisch. Sie war sehr hübsch und ihre Haut schien makellos, „ ist Alisia. Sie studiert seit diesem Semester in Mainz. Und daneben“, Manu deutete auf das Mädchen links daneben, „haben wir noch die Maya, sie studiert Jura nur im Nebenfach und ist eigentlich, ähm, Politikstudentin?“ Maya nickte lächelnd. „Als letztes Mädel der Runde haben wir da noch Cassandra. Die studiert schon einige Zeit bei uns. Sie war damals auch im Sommer bei meiner Party gewesen, weißt du noch, Ellen?“ Ellen hatte keine Ahnung, aber sie fand, dass Cassandra, mit ihren langen, welligen, braunen Haaren und den stahlblauen Augen und einer Wahnsinnsfigur wahrscheinlich überhaupt keine Probleme hätte, Supermodel zu werden. „Ähm, tut mir leid, da bin ich überfragt.“, gestand Ellen ein. „Kein Problem, ich hätte dich auch nicht erkannt“ erwiderte Cassandra. Sie hatte eine engelsgleiche Stimme, die allein wahrscheinlich ausreichte um einen Mann zu beglücken. „Naja, dann halt nicht.“, ergriff die unfreiwillige Gastgeberin wieder das Wort, „ dann sitzen da noch Darius und Michael, die habe ich auch letzten Sommer in einem Club kennen gelernt. Darius’ Vater ist auch Richter und kennt sogar meine Mutter sehr gut!“ Darius hatte schwarze Haare, die so einen gewissen Blaustich offenbarten. Bestimmt gefärbt. Er trug ein offenes schwarzes Hemd und darunter ein türkises T-Shirt. Dazu eine dunkelblaue Jeans. Michael trug einfach nur ein ziemlich flippiges T-Shirt mit vielen bunten Aufdrucken und dazu eine helle Jeans, die in so einem ausgewaschenen Stil verkauft wurde. Seine Haare waren blond und gestylt, dazu hatte er ein Piercing in seiner Unterlippe auf der linken Seite. Ellen fiel schlagartig auf, dass niemand Jacken oder Schuhe mehr anhatte und stellte mit einem Blick an sich herunter fest, dass sie hingegen beides noch an hatte. „Entschuldigt mich kurz!“, hektisch stand sie auf und stürmte aus dem Raum.
Fragende Gesichter blickten ihr hinterher, doch die verwunderten Blicke lösten sich binnen weniger Sekunden. Ohne Schuhe und ohne Mantel, sondern mit einem schüchternen Lächeln, kam Ellen in das Wohnzimmer zurück. „So ist’s besser. Ich bin übrigens Ellen. Sorry, dass ich vorhin so weggetreten war. Ich weiß auch nicht, was los war. Ich hatte einfach..“ „..ihre Tage!“, warf Manu ein, „Ihr wisst ja Frauenprobleme.“ Ellen stieg alles Blut aus ihrem Körper ins Gesicht: „Manu! Geht’s noch!“ Ellen war es peinlich, wenn jemand über ihre oder sonst wessen Tage sprach. Doch ihre Ermahnung hatte nur allgemeines Gelächter zur Folge. Peinlich berührt setzte sich Ellen auf ihren Platz und knuffte Manu im Vorbeigehen. Super Start! Erst vollkommen weggetreten und dann mit einer Arschbombe ins nächste Fettnäpfchen, klasse!
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Montag, 15. August 2011, 15:44

Razuriel fand sich keuchend am Boden wieder. Er versuchte den Hergang gedanklich zu rekonstruieren. Was war passiert? Ach ja, Cranis, dieser elende Hund! Was für ein gewaltiger Schlag in den Boden! „So ein Verhalten ist indiskutabel! Wäre der Rat nicht beschäftigt, so würde ich Euch ihm sofort vorführen. So bleibt Euer Schicksal leider mir überlassen.“, grinste Cranis hämisch. Er war der Leiter der Palastaufseher und daher sehr mächtig. Zwar kam es noch nie vor, aber im Falle eines Angriffs bildeten er und seine Truppen die Verteidigungslinie des Rates. Er konnte im Grunde mit Störern machen, was er wollte, außer sie töten. Er trug das Schwert der Bestrafung. Diese göttliche Waffe war in der Lage die Verfehlungen eines jeden aufzuzeigen und konnte den noch so mächtigsten Gegner angemessen bestrafen. Doch das geheiligte Leben konnte er einer Lichtgestalt nicht nehmen. Zumindest nicht ohne, dass der Rat dies beschloss. Denn viele der Aristokraten und Diener des Palasts waren unsterblich und damit heilig. Ansonsten konnte der Tod nur auf natürlichem Wege kommen, was bedeutete, dass nachdem die Lebensenergie aufgebraucht war, man sich in Licht auflöste und vielleicht sogar wiedergeboren wurde. Je nach dem, wie hoch die Gunst des Rates war.
Nichts desto trotz war es eine gefährliche Waffe, die einem die größten Schmerzen und vor allem dauerhafte Verletzungen zufügen konnte.
Razuriel richtete sich beschwerlich auf. Die Druckwelle war heftig und hatte wohl einige seiner Rippen gebrochen. Er stöhnte unter dem Schmerz auf und hustete ein wenig Blut. Solche Schmerzen hatte er lange nicht mehr erlebt. Aber Razuriel war nicht schwach und vor allem würde er Cranis nicht die Genugtuung geben, und sich seinem Schmerz ergeben. Er richtete sich allmählich auf und sah rüber zu Lathan, der immer noch keuchend am Boden lag und Blut spuckte. Mehr als Razuriel. „Lathan! Mein Freund! Steht auf!“, flehte ihn Razuriel an. Doch Lathan blieb liegen und keuchte nur: „Sorgt Euch nicht, Freund! I-Ich k-komm schon kl-lar, argh!“ Sein Gesicht war dabei schmerzverzerrt, bis es Erleichterung in einer Ohnmacht fand.
Cranis zog sein Schwert aus dem Boden und lief wie ein Raubtier um die beiden herum. Dabei kicherte er hin und wieder. „Dachtet Ihr, wenn Ihr Euch versteckt, dann bemerke ich nicht eure Frevelhaftigkeit? Ihr Narren!“, sein Lachen, welches laut und wohlwissend übertrieben war, zerschmetterte die Fürsorge Razuriels um seinen Freund. Razuriel setzte sich auf und hielt sich seinen Brustkorb mit dem freien Arm. „Cranis, Herr der Aufseher, Anführer der Verteidiger des heiligen Palasts Eden. Ich bitte untertänigst, sprechen zu dürfen.“,Blut stieg sein Lungen empor, und sammelte sich in seinem Mund, was ihm das Atmen erschwerte und ihn wieder Blut spucken ließ.
Razuriel wusste, dass Cranis es mochte, wenn man ihm Honig um das Maul schmierte und sich ihm gegenüber seiner Unwichtigkeit bewusst wurde. Und so tat er ihm diesen Gefallen. Er war zu sehr aufgeregt, um einen Streit zu provozieren. Zu verlieren hatte er nichts mehr und wahrscheinlich war auch schon der Bote mit seinen Sachen da.
Doch er sorgte sich um Lathan, wenn der Angriff von Cranis bereits bei ihm so starke Wirkungen zeigte, dann hätte er Lathan auch umbringen können. Nur gut, dass das Schwert dafür keine Ermächtigung bekommen hat. Der starke Angriff erschütterte nicht nur die beiden, sondern bewirkte auch, dass sich der Boden aufspaltete und umliegende Sträucher herausgerissen wurden. Allerdings regenerierten sich diese Ungereimtheiten von selbst, so dass binnen weniger Augenblicke die Sträucher wieder so standen, wie sie ursprünglich waren und der Boden sich verschloss, als wäre nie etwas gewesen.
Durch den Aufruhr versammelten sich nun auch die Aristokraten und beäugten das Schauspiel. Einige von ihnen waren besorgt, andere hingegen blickten genauso hämisch wie Cranis auf die zwei Störenfriede. „Nun, wie ich sehe, seid Ihr durchaus in der Lage, Etikette zu beweisen, umso mehr stört es mich, dass Ihr es dennoch für unnötig in Gegenwart des allmächtigen Rates erachtet. Doch ich bin heute äußerst großmütig und gnadenvoll gestimmt. So sprecht, Frevler, wie lautet Eure Entschuldigung?“ Cranis blieb stehen und richtete die Spitze seines Schwertes auf Razuriel’s Gesicht. Unter größten Anstrengungen gelang es ihm aufzustehen und Cranis ins Antlitz zu blicken. „Ich übernehme die volle Verantwortung für den leichtsinnigen Jungen. Ich habe ihn zu einem Gespräch außerhalb der Etikette verleitet und war dabei zu egoistisch um mich um sein Wohl zu Sorgen.“, brachte er in einem Atemzug hervor, der mit einem Hustenanfall und dem weiteren Spucken von Blut endete. Dabei musste er sich leicht nach vorn beugen und sah, wie das Blut nach dem Auftreffen auf der grünen Wiese der Grünanlage verblasste, bis nichts mehr davon da war. Auch Lathan’s Blutlache verblasste, wurde aber immer wieder durch neues Blut aufgefrischt. „Ich bitte Euch um Euer Wohlwollen und um Gnade hinsichtlich des Jungen und unterwerfe mich Eurer Bestrafungen mit der Bitte diese um die Strafe des Jungen zu erhöhen.“, Razuriel fiel auf ein Knie und versuchte trotz der quälenden Schmerzen eine ehrfürchtige Haltung eines Untergebenen einzunehmen. Cranis lachte schallend auf, wieder begleitet von einem Donnern: „Denkt Ihr allen Ernstes, dass ich das nicht wüsste? Ihr seid ein Ausgestoßener des Rates, weil dieser offensichtlich Eure Unfähigkeit erkannt hat. Und ich bin sicher, dass Ihr nur zu gern die Strafe des Jungen in Kauf nehmen würdet, gleichwohl das Euren Tod bedeuten könnte.“, wieder dieses donnernde Lachen, „Doch Ihr seid wie bereits erwähnt ein Ausgestoßener. Ihr habt nichts hier verloren! Der Junge ist selbst dafür verantwortlich sich mit einem Ausgestoßenen gegen den Rat verbündet zu haben!“ Cranis wendete sich Lathan zu, „Dafür wird er büßen müssen!“ Razuriel wollte Aufschreien, er wollte Cranis packen und in der Luft zerreißen. Doch er wusste, dass egal, was er auch hätte machen wollen, es den Tod seines Freundes nach sich zog.
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Montag, 15. August 2011, 17:47

:thumbup:
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An'ye harm none, do what ye will

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Dienstag, 16. August 2011, 13:58

Er konnte Cranis nicht ausstehen. Immer wieder erschien ihm vor seinem geistigen Auge das vollkommen wahnsinnige Gesicht des Aufsehers, während er Schattengestalten abschlachtete und auch vor deren Frauen und Kinder, die unbeteiligt waren, keine Gnade kannte. Für Cranis zählte nur die Abstammung und nicht die Schuld eines Einzelnen als Grund für Tod oder Leben.
Er war ein direkter Abkömmling einer der drei Gotthoheiten und daher beinahe so mächtig, was er auch wusste und ausnutzte. Er betrachtete alles andere als ihm unterlegen und verabscheute insbesondere Waisenkinder. Diese „Bastarde“, wie er sie immer nannte, würden das Ansehen der heiligen Völker beschmutzen und seien ein Makel an sich, den er mit Freude beseitigen wollen würde. Umso mehr sorgte sich Razuriel um seinen Freund. Doch auch er selbst, dessen Herkunft er nicht kannte und ihm niemand offenbarte, schien seit jeher ein Dorn im Auge des Oberaufsehers zu sein. Daher hatte er die Hoffnung, den Groll vollständig auf sich ziehen zu können, umso Lathan’s Schicksal zu retten. Doch Cranis war nicht dumm, er wusste, dass es das Unerträglichste für beide sei, wenn er dessen Bitte ablehnte. Razuriel wurde ausgestoßen und musste noch heute gehen. Verstoßen aus den Gottesstaaten. Und jeder der ihn aufnimmt, würde dafür teuer bezahlen.
Er sah keine andere Möglichkeit und warf sich gegen seiner Empfindung dem Oberaufseher vor die Füße: „Ich flehe Euch an, oh großer Cranis, Sohn des Cronus, verschont Lathan und nehmt stattdessen mich. Nehmt mein Leben! Ich biete es Euch an, oh mächtiger Cranis!“ Die Zuschauer schraken auf. Jemanden sein Leben anzubieten, bedeutete sich ihm zu unterwerfen, sich an ihn zu binden, seinen Schmerz zu ertragen und seinem Erbarmen ausgesetzt zu sein, weiter leben zu dürfen oder nicht, auf Ewig. Der Herr, der dieses Angebot annahm, konnte den Unterwerfenden nach Herzenslust quälen, missbrauchen und sogar töten. Das Opfer war groß, doch Razuriel hatte nichts zu verlieren.
Cranis wandte sich derweil von Lathan ab, der allmählich wieder zu sich kam, nur um erneut das Bewusstsein zu verlieren. „Ha! Du Narr! Denkst du allen Ernstes ich nehme dein wertloses Leben? Wozu? Damit du von mir abhängig bist? Damit du dadurch deinem Verweis entgehen kannst? Willst du mich beleidigen, du Hund!“ Cranis schoss auf Razuriel zu und trat dem sich immer noch verbeugenden Razuriel gegen den Kopf. Sein Kopf schnellte hoch und es gab ein lautes Knacken. Razuriel spürte, wie sein Kiefer allmählich aus seiner Verankerung rutschte. Er schlug mit seinem gesamten Körper auf den Boden auf und nun lief das Blut in Strömen aus seinem Mund. Er blieb reglos liegen.
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Dienstag, 16. August 2011, 14:06

Es waren bereits einige Stunden vergangen und die Studenten saßen immer noch auf dem Boden im Wohnzimmer. Das Unwetter startete bereits vor einiger Zeit und der Strom war schon nach dem ersten Donnern ausgefallen. Manu hielt es nicht für notwendig die Sicherungen raus zu nehmen. Draußen war es stockdunkel, auch wenn es erst gegen zwei Uhr nachmittags war. Das Unwetter tobte draußen und schlug gegen die Rollläden und Häuserwände. Manu vermutete, dass das Dach danach wohl erneuert werden müsste.
Ihre Eltern waren, wie üblich, nicht zu Hause. Ihr Vater befand sich geschäftlich im Ausland und ihre Mutter arbeitete in Karlsruhe und kam nur am Wochenende nach Hause. Bevor das Unwetter seine jetzigen Ausmaße erreichte, unterhielten sich alle sehr angeregt miteinander. So erfuhr Ellen, dass auch Michael Sohn einer wohlhabenden Familie war, jedoch sind seine Eltern vor drei Jahren bei einem Flugzeugabsturz um ihr Leben gekommen. Er war mit seinen 23 Jahren Erbe eines gigantischen Vermögens, welches seine Eltern aus dem Verkauf ihrer Immobilienfirma erhielten und durch Aktienspekulationen auf beinahe eine Milliarde Euro angehäuft haben. Er besaß als Einzelkind zudem einige Häuser in Deutschland, Italien und den USA und ein Schloss in Schottland. Sein Beweggrund für das Studium war der Tod seiner Eltern und das ganze internationale Erbrecht, was auf ihn zukam. Zwar sei das alles geregelt, aber er hasste es, nicht zu wissen, von was die Anwälte die ganze Zeit sprachen.
Alisia, die Asiatin, ist vor einigen Jahren nach Deutschland gezogen. Ihre Eltern sind in Tokio geblieben, wo sie beide in einer großen Computerfirma tätig waren. Nach dem Unglück in Fokushima wollte Alisia ihre Eltern besuchen, doch diese drängten Alisia in Deutschland zu bleiben, wo sie sicher sei. Alisia hätte sich gewünscht, dass ihre Eltern auch nach Deutschland kommen und sich vor der gefährlichen Strahlung schützen sollten, doch sie lehnten ab und meinten, dass sie auch in Tokio auf sich aufpassen könnten. Ellen wünschte Alisia’s Eltern alles Gute, wofür sich Alisia aufrichtig bedankte. Ellen fand, dass sie dabei sehr stark wirkte. Wenn ihre Eltern so einer Gefahr ausgesetzt würden, dann wüsste sie nicht damit umzugehen. Sie vermisste ihre Pflegeeltern und wollte bei ihnen anrufen und fragen ob alles in Ordnung war, doch die Leitungen waren seit geraumer Zeit tot und ihr Handy hatte sie heute passender Weise vergessen. Wieder dachte sich Ellen, dass das doch alles an abgekartetes Spiel ist. Irgendwer mag sie nicht und deswegen muss sie jetzt so leiden. Doch Manu und die anderen versuchten sie zu beruhigen. „Mach dir mal keinen Kopf, das wird schon!“, meinte Darius. Er kam wohl aus einem der umliegenden Dörfer und studierte eben Jura, weil ihm sonst nichts einfiel. Ansonsten gab er wenig von sich bekannt, wenn man ihm danach fragte, antworte er nur: „Ach nicht so wichtig.“, „Keine Ahnung.“ oder „Nicht besonderes!“. Bei Cassandra war es ähnlich.
Maya erzählte von ihrem Politikstudium und musste sich allen Klischees stellen, sie genoss es allerdings sich mit den Fragen anderer zu befassen. Wahrscheinlich mochte sie es einfach im Mittelpunkt zu stehen, dachte sich Ellen. Maya war ein hübsches blondes Mädchen, mit marineblauen Augen. Sie trug ein blaues Kleid, welches die Figur umspielte, wobei Maya dafür sicherlich keinen Grund hatte, dachte sich Ellen. Über dem Kleid trug sie ein kleines Jäckchen und abgerundet wurde das Outfit durch ihre rote Strumpfhose. Sie lächelte die meiste Zeit und wirkte hinsichtlich des Unwetters völlig unbekümmert.
Jetzt waren sie alle still. Während Manu und die anderen einfach warteten bis das Unwetter vorüber war und hin und wieder bei lautem Donner oder gleißenden Blitzen gelegentlich zusammenzuckten, hatte Ellen panische Angst. Sie mochte schon unter den besten Umständen keine Gewitter. Doch abgeschottet in dem Haus ihrer Freundin ohne Kontaktmöglichkeiten zu ihrer Familie, und nach der Horrormeldung des Professors, zusammen mit Leuten, die sie im Grunde überhaupt nicht kannte, mitten im schlimmsten Unwetter aller Zeiten, fühlte sich Ellen überhaupt nicht gut. Ständig peitschte der Wind gegen das Haus, der Donner schien den Himmel explodieren zu lassen und die Blitze waren so gewaltig, dass sie selbst durch die mit Rollläden verdeckten Fenster durch die kleinsten Ritzen noch genug Licht durchschossen, dass das gesamte Zimmer erleuchtet wurde, was Ellen’s Panik nicht gerade milderte. „Man, das kommt ganz schön runter, Alter!“, unterbrach Maxis das Schweigen. „Eigentlich mag ich Gewitter,“, erwiderte Cassandra, „aber das hier ist selbst für meinen Geschmack zu heftig.“ Darius musste kichern: „Du magst es wohl sonst heftig, he?“. Michael lachte im Einklang mit Darius auf. „Männer“, gab Maya gewohnt mit einem Lächeln zum Besten. „Alles okay bei dir, Ellen?“, fragte Manu, die die ganze Zeit über ihre Freundin im Auge behalten hatte. „Ja..ja schon okay. Ich mag Gewitter nur nicht sonderlich, sie sind laut und überraschend. Und laut. Und schrecklich. Ich mag sie nicht.“
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Dienstag, 16. August 2011, 14:09

„Man hat mir immer gesagt, dass bei Gewitter die Götter streiten, über alle möglichen Sachen.“, warf Cassandra ein. „Götter? Soweit ich weiß, haben wir Deutschen doch nur einen.“, entgegnete Michael. „Du könntest vielleicht mal ein bisschen weltoffener sein? Es gibt mehr als das Christentum.“, konterte Alisia, „In Japan gibt es die verschiedensten Götter und Geister. Nimm noch die Hindu hinzu und sonstige asiatische Völker und du hast beinahe soviel Götter, wie ein Land Bewohner haben könnte!“, lachte sie schließlich. „Da hast du allerdings Recht.“, gab Darius bestätigend zu, „Bisschen engstirnig, mein Freund!“ „Ich hab’s verstanden!“ entgegnete Michael genervt, „Schließlich bin ich ja nicht dämlich!“.
Donnern.
Allgemeines Zusammenzucken.
„Da sagen die Götter was anderes!“, schoss Darius mit einem lauten Gelächter hervor, in das sich alle anschlossen.
Alle, bis auf Ellen.
Ihr kam nur ein kurzes Lächeln über die Lippen. Sie wusste nicht, ob sie an Gott, Götter oder sonst was glauben sollte. Für sie blieben einfach zu viele Fragen offen. Beispielsweise warum man Kirchen brauchte, um seinen Glauben zu fabrizieren. Oder warum Gott sauer sein sollte, wenn man an andere Götter glaubt. Oder warum es so viel Leid auf der Welt gibt, wenn es doch Götter gibt, die all dies verhindern könnten. Außerdem gingen in den letzen Wochen und Monaten vermehrt Missbrauchsfälle in verschiedenen Kirchen durch die Medien, die ein unvorstellbares Ausmaß annahmen. Allein das hätte jeden Gott zumindest derart beschämen müssen, um wenigstens ein Zeichen seines Unmuts über die Geschehnisse erwarten zu können.
All dies ließ Ellen über das ganze System der verschiedenen Religionen zweifeln. Aber sie fragte sich oft, warum es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Warum der Mensch die überlegene Rasse des Planeten ist. Warum man überhaupt über Götter nachdachte. Und warum so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft von verschiedenen übernatürlichen Erscheinungen berichteten, von denen sie mit absoluter Sicherheit überzeugt waren, dass sie mit irgendwelchen Überwesen, wie Engeln oder Dämonen, zusammenhängen.
Kurzum Ellen wusste nicht, was sie glauben sollte und deswegen blieb sie auch auf Abstand von allem. Zumindest das dürfe ihr doch niemand verdenken können, so Ellen’s Meinung.
Während die anderen sich weiterhin gegenseitig auf den Arm nahmen und so das tobende Unwetter in den Hintergrund drängten, dachte Ellen an ihre Pflegeeltern. Sie sorgte sich um deren Wohlergehen und wollte jetzt lieber bei ihnen sein, um sie zu trösten und ihnen zu zeigen, dass es ihr gut ging. Was Ellen bei ihren Gedanken an ihre Pflegeeltern verwunderte, war dass die anderen sich darüber nicht zu sorgen schienen. Gut, die Eltern von Michael waren tot. Und Alisia’s Eltern waren in Tokio, wo das Unwetter noch nicht angekommen war. Aber der Rest schien sich keine Gedanken zu machen. Selbst ihre Freundin Manu erwähnte nichts, ob sie sich Sorgen machte wegen ihrer Eltern. Ob sie es verdrängen? „Ich hoffe, meinen Eltern geht es gut.“, brach Ellen schließlich hervor. Alle anderen verstummten und ihre Mienen wurden nun ernst. „Ellen,“, entgegnete Manu mit mitfühlender Stimme, „wir alle machen uns Sorgen um unsere Eltern. Doch wir können im Moment nichts weiter tun, als abwarten und beten. Das Haustelefon geht nicht und Empfang bekommen wir hier nicht rein. Lass uns einfach das Beste hoffen.“ „Vielleicht helfen Gebete an die ach so tollen und mächtigen Götter!“, fügte Darius hinzu. Ellen war verwundert. Sie meinte, in seiner Stimme so etwas wie Abscheu herausgehört zu haben. „Alles okay, Darius? Ich finde es auch schlimm, nichts tun zu können.“, versuchte Ellen auf Darius einzugehen, um ihn ein wenig zu trösten. Ellen war zugleich aber beruhigt, dass nicht nur ihr das Unwetter und die drohenden Gefahren nahe gingen. Doch Darius blockte wieder ab: „Ach schon gut, entschuldigt mich kurz. Ich bin gleich wieder da.“ Damit stand er auf und verließ die Runde. „Die Toilette ist den Flur runter, linke Tür!“, rief ihm Manu nach.
Ellen wurde aus Darius einfach nicht schlau. Er schien ein ganz normaler Typ zu sein. Doch er wirkte wiederum auch sehr mysteriös. Ach komm schon Ellen, seine Eltern und die von Manu kennen sich. Du wirst langsam paranoid, rief sich Ellen ins Gewissen, damit es sich ein wenig beruhigt. Doch sie war so nervös und aufgekratzt, dass es schlichtweg nicht gehorchte. Wie es wohl ihren Eltern geht? Wird sie sie jemals wieder sehen? Was ist mit Manu’s Eltern? Warum können alle hier so ruhig sitzen, während dort draußen ein Unwetter tobt, was jeden von ihnen jeden wichtigen Menschen nehmen könnte, ja, vielleicht sogar das eigene Leben?
So viele Fragen, so wenig Antworten. In Ellen stieg eine Hitze auf. Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Ihr Atem wurde schneller und unregelmäßiger. Luft, sie brauchte Luft.
Doch draußen tobte das Unwetter. Wasser, frisches Wasser. Ja, das wird helfen.
Doch gerade als Ellen aufstehen wollte, um sich zu erfrischen und einem erneuten Nervenkollaps vorzubeugen, blitzte es wieder. Und dieses Mal war der Blitz noch heller als all die anderen davor. Es gab einen explosionsartigen Knall und Putz rieselte von der Decke.
„Was war denn DAS?“, die erschrockene Manu stand auf. Alle bis auf Ellen taten es ihr gleich. „Das kam von oben! Habt ihr einen Dachboden?“, erkundigte sich Alisia. „Jetzt wahrscheinlich nicht mehr“, erwiderte Michael trocken.
Ellen stand schließlich auch auf. In ihr machte sich Unbehagen breit. Irgendwas stimmt nicht! Sie ahnte das Schlimmste.


3. Kapitel

Razuriel stand kurz davor das Bewusstsein zu verlieren als er einen kalten Windhauch verspürte. Er wurde vom Boden hoch getragen. Diese unsichtbare Macht umhüllte ihn in einem wohligen kühlen Hauch. Er fühlte sich augenblicklich geborgen und seine Wunden begannen zu heilen. Noch völlig benebelt von dem kräftigen Tritt, versuchte er sich umzuschauen.
Es war dunkel geworden. Die hinzugekommenen Aristokraten waren verschwunden.
Dunkel? Beim heiligen Palast wird es nicht dunkel! Außer, dachte sich Razuriel, außer einer der Gotthoheiten persönlich verließ das Gebäude. Genau genommen wurde es nur dunkel, wenn eine bestimmte Gotthoheit den Palast verließ.
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Dienstag, 16. August 2011, 14:14

„Vater!“, ertönte es aus dem Dunkel. Immer lauter werdend erklang ein leises Grollen bis hin zu einem mächtigen Donner. „Cranis, mein Sohn. Was soll diese Unruhe vor dem Palast? Weswegen gibt es einen solchen Tumult, dass es selbst bis in die Gemächer des Rates vordringt.“ Der Satz war bewusst nicht wie eine Frage formuliert. Denn die Gotthoheiten wussten, was inner- und außerhalb des Palastes vor sich ging. „Wie ich sehe amüsierst du dich mit einem Ausgestoßenen und einem Waisenjüngling.“, grollte es mit einer unverkennbaren Macht aus dem Dunkel. Bei jeder Silbe zog sich ein elektrisches Zischen nach und der Wind umspielte Razuriel mehr und mehr. „Vater, lasst mich erklären!“, erklang es ehrfürchtig. „ES gibt nichts zu erklären. Der Herr der Palastwache hat Gefallen daran, seine Zeit damit zu verschwenden gegen zwei wertlose Geschöpfe, einer seines Zwangsexils, der andere wegen seiner Unzulänglichkeit, zu kämpfen, anstatt sich seiner Aufgaben zu widmen!“, beim letzten Halbsatz erhob sich erneut ein bedrohliches Donnern. „Aber!“ „Schweig!“, donnerte es heftiger als zuvor. „Verzeiht, oh großer Herr der Elemente, Eure Gotthoheit Cronus, ich war fehlgeleitet.“, wimmerte Cranis, dessen Stimme Razuriel nun endlich erkannte. „Lathan und Razuriel. Ausgerechnet ihr zwei wagt es vor dem Palast gegen Etikette und Anstand zu verstoßen und so den Rat und seine Mitglieder zu beleidigen.“ Razuriel wusste, dass Ausreden oder Rechtfertigungen hier fehl am Platz waren. Eine Gotthoheit hinterfragte nicht, sie stellte fest. Was sie feststellte, galt, nichts anderes. „Selbst Mitglieder des Rates erwarten harte Strafen für solch eine Frevelhaftigkeit. Doch du, Ausgestoßener, bist nicht mal mehr Angehöriger irgendeiner Rasse. Dennoch verleitest du den Jüngling zu solch einem Verrat. Dem dieser nur allzu bereitwillig gefolgt ist.“ Razuriel musste sich auf die Wange beißen, um nicht irgendetwas Falsches zu sagen. „Ich, Cronus, einer der Gotthoheiten spreche nun das Urteil des Rates, welches augenblicklich zu vollstrecken ist. Es gilt, wie gesprochen!“, Cronus trat aus dem Dunkel hervor. Er war ein mächtiges Wesen, ständig von einer Aura der Macht umgeben, größer als jeder andere. Er hatte weiße, lange Haare, die sein Gesicht umrahmten und die darin befindlichen gleißenden, blauen Augen. Seine Haut schimmerte in einem leichten glühenden Rot, wenn er sprach. Eine durch und durch mächtige Gestalt. Eine Handbewegung konnte dutzende Götter schwer verletzen und als eine der Gotthoheiten vermochte er es sogar den Tod zu bringen. Zeitgleich tauchte auch Lathan aus dem Dunkel hervor, er war wieder- oder immer noch- bewusstlos.
„Bei der Macht des Rates, verfüge ich, Cronus, als Vertreter des Rates, die Verbannung Razuriel’s aufrecht zu erhalten. Seine Habe wird ihm entzogen! Ihm wird die Macht genommen jemals wieder in Kontakt mit dem Rat zu treten und sein ewiges Leben wird ihm hiermit entzogen. Sein Leben ist frei und ab sofort auslöschbar, inner- und außerhalb, mit und ohne Ermächtigung des Rates. So spreche ich, Cronus, so soll es geschehen!“, Cronus griff mit seinem rechten Arm in den Himmel und ein Blitz fuhr auf ihn nieder, dessen Macht sich in seiner rechten Faust bündelte, „Bei der Macht des Rates, verfüge ich, Cronus, als Vertreter des Rates, den göttlichen Gehilfen Lathan seines lächerlichen Standes zu berauben und ihn in die äußeren Verliese zu werfen. Dort wird er bis zu seinem Tode schmachten und jeden Tag seines Lebens verdienen müssen! So spreche ich, Cronus, so soll es geschehen!“, er hob nun auch seine linke Hand gen Himmel und das Schauspiel vollzog sich von Neuem. Nun stand er da, beide Hände gen Himmel, leuchtend vor Macht. „Hiermit wird das Urteil vollstreckt!“, damit richtete er seine Hände auf Razuriel und Lathan.
Alles was Razuriel spürte war ein Knall und ein Schlag, der ihm das Bewusstsein nahm. Die ihn umgebenden Gestalten, Cronus, Cranis und Lathan verblassten bis schließlich völlige Dunkelheit einzog.




Er fiel und fiel. Er fiel beinahe ewig. Er durchdrang eine Wolkendecke und raste unaufhaltsam auf den Boden zu.
Razuriel war bewusstlos. Die Macht Cronus’ verbannte ihn endgültig und nahm ihm die Gunst des Rates.
Von nun an konnte er von jedem getötet werden, was ihn unwiderruflich auslöschen würde. Seine Habe, allen voran seine Waffen, wurde ihm genommen. Er war nun weniger wert, als der niederste Diener der noch so bedeutungslosesten Persönlichkeit.
Er raste weiter gen Boden, unaufhaltsam, schneller werdend. Wie ein Meteor durchschnitt er die Luftschichten und raste auf den Boden runter.
Ein Donnern, ein Blitz, ein Aufschlag, der den umliegenden Boden aufspaltete und erbeben ließ.
Dann Stille.
Inmitten eines riesigen Kraters lag er.
Blutüberströmt.
Mit gebrochenen Knochen.
Keuchend.
Bewusstlos im Regen.
Er- Razuriel, der Vertriebene.


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Dienstag, 16. August 2011, 16:33

4. Kapitel

Ellen und die anderen rannten die Stufen hoch. Ein Blitz schlug in das Haus ein. Auf der letzten Stufe angekommen, blieben sie alle stehen und erschraken. Das komplette Dach, einschließlich des Obergeschosses, war zerstört und der Regen fiel nun in das zweite Wohnzimmer. Dachbalken hingen von der Decke und schmorten noch von der zerstörerischen Kraft des Einschlags. Der Wind tobte und weiteres Donnern und Blitzen schmückte den Himmel. „Schnell wieder runter!“, rief Maxis.
In Ellen tobte weiter dieses schlechte Gefühl, als ob jemandem etwas zugestoßen wäre. „Wo ist Darius?“, schrie Ellen. „Der ist sicherlich nur auf der Toilette!“, erwiderte Manu, die Ellen nun die Treppen runter drängte.
Das Wasser lief bereits die Stufen hinab. Am Fuße der Treppe hielten sie inne. „Ich sehe nach Darius!“, rief Michael und rannte den Flur runter. „Wir sollten die Hauseingangstür öffnen, damit das Wasser ablaufen kann!“, rief Alisia und rannte mit Manu zur Tür. Cassandra und Maya griffen Ellen unter den Armen und zerrten sie in das untere Wohnzimmer, wo sie bis eben noch gemeinschaftlich saßen. Maxis verschob die Schränke im Flur so, dass sie einen Flusslauf bildeten und gesellte sich schließlich zu Ellen und den anderen. „Ellen! Bleib ganz ruhig. Es wird alles gut werden!“, redete Maxis auf sie ein. Seitdem sie die Stufen heruntergekommen waren, stand Ellen wieder neben sich. Sie nahm ihre Umgebung wieder, wie durch einen Schleier wahr. Sie war kaum in der Lage selbst zu gehen, geschweige denn zu sprechen.
Alisia und Manu kamen ebenfalls in das Zimmer und kurz darauf Michael. „Was ist mit Darius?“, erkundigte sich Cassandra. „Ich hab ihn überall gesucht, aber nirgends gefunden. Ich vermute, er ist…“, Michael wagte es nicht auszusprechen. „Oh mein Gott!“, rief Maya, die sich um Beherrschung bemühte. Ellen nahm alles auf, doch sie war unfähig zu reagieren.
Sie wusste bereits bei dem Einschlag, dass etwas Schlimmeres als ein kaputtes Haus die Folge war. Woher sie das wusste, konnte sie sich nicht erklären. Doch sie wusste es.
Donner und Blitz wechselten sich gegenseitig ab, lauter, heller, stärker. Der Regen drang in das Haus und floss allmählich auch zu den Studenten. Manu schrie auf und stieg auf das Sofa. Alle anderen suchten sich ebenfalls eine Erhöhung. Michael zog Ellen schließlich auf den Tisch.
Noch ein Donnern, noch ein Blitz. Der Wind tobte nun auch durch das Haus und warf die Möbel im Flur um. Durch die verschlossene Tür sickerte immer mehr Wasser. „Gott steh uns bei!“, stieß es aus Manu heraus.
Plötzlich ebbte der Wind ab. Das Donnern verstummte. Blitze zuckten in immer größeren Abständen. Das Wasser hörte auf durch die Tür zu sickern.
Ganz langsam und allmählich verzog sich das Unwetter. Die Wolkendecke löste sich und nach einigen Augenblicken war der Himmel wieder klarer. Alisia brach nun zusammen und weinte. Auch Cassandra und Maya sackten zusammen. Manu blickte vollkommen fassungslos vor sich in die Leere. Maxis legte seinen Arm auf ihre Schulter und Michael hielt Ellen in den Arm, die wieder zu sich gekommen war. Langsam dämmerte ihr der Ablauf der letzen Stunden und auch sie begann zu Weinen. Aus Trauer um Darius’ Tod, aber auch der Erleichterung wegen, das Unwetter überlebt zu haben.
Beinahe sarkastisch schien die Sonne durch die vom Unwetter zerstörten Rollläden.

Nach einigen Momenten der Trauer und der Erleichterung sammelten sich alle nacheinander wieder und begannen sich im Haus umzuschauen. Ziel war es Darius, ob tot oder lebendig, wieder zu finden. Während sich die fünf Mädchen das Untergeschoss vornahmen, durchkämmten Michael und Maxis, was vom Obergeschoss übrig geblieben ist.
Doch keiner war bei seiner Suche erfolgreich. „Oh Gott, Darius!“, schluchzte Ellen. Michael nahm sie in den Arm. „Ich gebe seiner Familie Bescheid.“ Er zog sein Handy aus der Tasche. „Mist immer noch kein Empfang. Verdammtes Unwetter! Wahrscheinlich sind alle Sendemasten im Arsch!“ Er steckte sein Handy zurück und tröstete Ellen, die jetzt sogar noch mehr schluchzte, weil sie ihre Eltern nicht anrufen konnte.
„Unglaublich…“, stieß Manu aus ihrer Askese hervor. „Das ist doch alles unglaub…“ Plötzlich polterte es. „Das kommt von oben.“, stellte Cassandra fest. „Darius!“, Ellen riss sich von Michael los und stürmte zur Tür. „Ellen! Warte!“, rief Alisia ihr nach. Doch vergebens Ellen war schon durch die Tür verschwunden. „Verdammt! Ich denke, ihr habt alles durchgesucht!?“, fauchte Alisia die beiden Jungs an. „Haben wir auch!“, meldete sich Maxis zu Wort, „Es war nichts und niemand dort oben, außer Schutt und Asche!“. Michael nickte zustimmend. Doch dann riss er plötzlich seine Augen auf und stürmte los. Maya stellte sich ihm in den Weg „Was ist los, Michael?“. „Geh weg“, er schob Maya bei Seite. Im Türrahmen hielt er kurz inne: „Macht schon! Kommt! Wenn Darius noch da oben ist, dann sieht er sicherlich alles andere als gut aus. Und noch einen Zusammenbruch verkraftet Ellen nicht. Also los!“ Alle folgten schlagartig Michael. Nur Cassandra kam zögernd nach: „ Wenn die Jungs recht behalten und Darius nicht dort oben war, dann frage ich mich, was da noch poltern könnte“, murmelte sie und folgte schließlich dem Trupp nach oben.
Ellen kam oben an und sah sich um. „Darius?“, rief Ellen und hielt Ausschau nach Lebenszeichen.
Da raschelte es.
Und da polterte es. „Darius? Wo bist du?“, erkundigte sich Ellen und schritt durch das verwüstete Obergeschoss. Auf den Stufen ertönten Tritte und bald darauf standen alle im Obergeschoss und riefen im Chor: „Ellen!“. Sie drehte sich um: „Ich hab was gehört, hier ganz in der Nähe. Ich glaube, Darius steckt unter einem dieser Balken. Helft mir mal!“, damit packte Ellen an einem der großen Balken und begann zu ziehen und zu drücken. Michael und Maxis stürmten beide vor und schoben Ellen bei Seite: „Lass uns das machen, okay?“ und damit drückten sie gegen den Balken. Doch es passierte nichts. Er rührte sich keinen Millimeter. Selbst als Ellen, Manu, Maya und Alisia mit halfen, rührte sich nichts. „Cassandra wäre es zuviel verlangt uns zu helfen?“, herrschte Manu sie an. Doch Cassandra regte sich nicht, sondern erwähnte nur kühn: „Glaubt ihr ernsthaft, dass Darius hier verschüttet ist? Und wenn ihr das glaubt, wie sollte ein verletzter junger Kerl einen Balken bewegen, den sechs Menschen nicht einmal einen Millimeter bewegen können? Schon mal drüber nachgedacht?“
Auf einmal drückte der Balken nach oben und alle sechs schraken zurück. „Was immer da drunter ist, es ist nicht Darius. Und wenn ihr mich fragt, dann will ich gar nicht wissen, was da drunter ist! Kommt weg da!“, rief Cassandra und winkte alle zu sich.
Der Balken bewegte sich tatsächlich. Alle standen nun am Absatz der Treppe und starrten auf den sich bewegenden Balken. Ein Knarren und Ächzen durchzog sich durch die Dielen und der Balken bewegte sich mit jedem Schub ein Stückchen weiter. Langsam kam eine Hand zum Vorschein.
Doch diese Hand gehört nicht zu Darius. Sie war nicht menschlich und hatte nur vier Finger, an deren Ende sich spitze Krallen befanden. Sie war dünn, aber kraftvoll genug den schweren Balken zu bewegen. „Was ist das?“, rief Maya, die sich immer weiter zurück drängte. „Keine Ahnung, aber ich will es auch nicht herausfinden“, antwortete Maxis, „lasst uns hier verschwinden. Alle raus hier!“ Ohne auch nur ansatzweise zu Zögern folgten alle dem Befehl und rannten die Treppe runter. Ein lauter Knall ertönte und Gerümpel wurde hörbar oben bei Seite geschafft. „Oh Kacke, weg hier!“, rief Michael und rannte zur Haustür, die immer noch offen stand. Alle folgten ihm und sie standen im Nu auf der Straße vor Manu’s Haus und blickten zum Dach. „Da bewegt sich was!“. Auf dem zerstörten Dach krachte und knarrte es. Dann ein markerschütternder Schrei. „Lasst uns fliehen!“, schrie Maya, „Los kommt! Weg hier! Das ist nicht menschlich!“, und rannte los.
Anima libera